ESA gibt grünes Licht für erste Aufräumaktion im All

Der Weltraum um die Erde wird knapp – Schrott ist überall! Copyright: ESA

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22 Januar 2020

Um die Erde ziehen beinahe 2.000 Satelliten ihre Bahnen. Dort sind sie für uns von großem Nutzen, erleichtern sie doch die Kommunikation, die Weltraumforschung und die Beobachtung unserer sich verändernden Welt. Wenn ein Satellit allerdings ausfällt oder defekt und damit unbrauchbar wird, bleibt er oft in seiner Umlaufbahn – als herumfliegendes inaktives Objekt, auch „Weltraumschrott“ genannt. Diese Situation wird immer mehr zum ernst zu nehmenden Problem. Mittlerweile umkreisen mehr als 3.000 defekte Satelliten die Erde! Und in den kommenden Jahren sollen Tausende neue Satelliten ins All gebracht werden. Auch sie werden irgendwann zu Weltraumschrott. Selbst wenn man von heute auf morgen aufhörte, Satelliten zu starten, würde die Menge des Mülls dort oben weiter anwachsen. Der Grund: Kollisionen zwischen Objekten im Weltraum haben natürlich wieder neue Trümmerteile zur Folge!

ESA-Generaldirektor Jan Wörner erklärt: „Zum Vergleich: Wie gefährlich wäre die Schifffahrt, wenn alle jemals vom Stapel gelaufenen Schiffe, die inzwischen untergegangen sind, noch auf dem Meer herumdümpeln würden? So ist es derzeit im erdnahen Weltall, und so kann es nicht weitergehen.“

Foto von Vespa vor dem Start. Und jetzt als Weltraumschrott in einer Erdumlaufbahn. Copyright: ESA/CNES/Arianespace/Optique Video du CSG

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Ein Unternehmen namens ClearSpace nimmt sich der von der ESA gestellten Aufgabe an, eine Lösung für dieses Problem zu finden. Die Firma hat ClearSpace-1 vorgeschlagen – die erste Weltraummission mit dem Zweck, ein Stück Schrott aus dem Orbit zu entfernen. Die Mission ist für 2025 geplant und soll ein „Vespa“ (Vega Secondary Payload Adapter) genanntes Modul einer ESA-Vega-Rakete entsorgen. Vespa war von der Rakete abgesprengt und in der Erdumlaufbahn zurückgelassen worden – als Weltraumschrott. Da das Modul fast so klein wie ein Satellit ist, stellt es das perfekte Testobjekt für ClearSpace-1 dar.

Siehst du, wie ClearSpace Vespa greift? Copyright: ClearSpace

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Zunächst wird ClearSpace-1 in eine Erdumlaufbahn auf 500 km Höhe – und damit etwas unterhalb des Vespa-Schrotts – gebracht und dort auf Betriebstauglichkeit getestet. Dann wird die Sonde Vespa ins Visier nehmen und sich das Ziel mit ihren vier Roboterarmen greifen! ClearSpace-1 und Vespa bilden dann eine Einheit, die ihren Winkel abflachen und in der Erdatmosphäre komplett verglühen wird. Eine ziemlich gründliche Art des Aufräumens …

ClearSpace ist derzeit dabei, seinen endgültigen Vorschlag der ESA zu unterbreiten. Den Projektbeginn erhofft sich das Unternehmen für März.

Schon gewusst? Mehr als 8.400 Tonnen Weltraumschrott umkreist aktuell die Erde!

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